BURG
RAPPOTTENSTEIN
Die Burg und Ihre Herren

Im Nordwald - "SILVA NORTICA" -, wie das Waldviertel in alten Urkunden genannt wird, erhielten die Herren von Kuenring, ein aus Bayern stammendes Geschlecht, bereits im
elften Jahrhundert größere Gebiete zur Rodung und Besiedlung als königliche Schenkung verliehen. Rapoto von Kuenring, in Urkunden aus den Jahren 1157 und 1176 erstmals erwähnt, ist als Erbauer und Namensgeber der Burg zu betrachten.
(Sein Vorfahre Hadmar I. gründete 1137 das Kloster Zwettl.)
Nach kaum mehr als 150 Jahren verloren die Herren von Kuenring Rappottenstein und starben in der Verbannung, da sie sich mit König Ottokar von Böhmen gegen Rudolf von Habsburg verbündet hatten.
Nach dem Sturz der Kuenringer kam die Burg
1305 an die Herren von Dachsberg,
1423 an die Herren von Starhemberg und
1546 an die Herren von Landau.
Im Jahre 1664 hat Ernst Reichsgraf von Abensperg und Traun Rappottenstein käuflich erworben. Die Burg mit dem dazugehörigen Gut ist somit seit nahezu 350 Jahren bis zum heutigen Tage ununterbrochen Eigentum der Grafen von Abensperg und Traun.




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Die Kuenringer >top<

Gründer der Burg Rappottenstein waren die Kuenringer. Dieses einst so mächtige Geschlecht stammte, wie die Forschung feststellte, aus Bayern und war hochfreier (reichsunmittelbarer) Herkunft. Auf dem Wege über Sachsen dürften sie wahrscheinlich mit den Ungarzügen König Heinrichs III. nach Österreich gekommen sein, wo sie vom König reiche Schenkungen an Land und Herrschaftsrechten erhielten. Jedenfalls berichten Urkunden von einem Azzo, der als der Stammherr der Kuenringer gilt, dass er im Jahre 1056 "auf Bitten des Markgrafen Wilhelm von Meissen und des Markgrafen Ernst von Österreich drei Hufen Landes im Dorfe Hecimanneswisa (dem heutigen Kühnring bei Eggenburg) als königliche Schenkung zu freiem Eigen" erhalten habe.
Die Kuenringer führten das Balkenwappen, das im Zwettler Stiftungsbuch als "von Sachsen" bezeichnet wird. (Später führten es die Herzöge von Sachsen, die Wettiner, und heute noch scheint es - neben anderen - im Wappen des Fürsten von Liechtenstein auf). Durch diese Verbindung, die zwischen den Sachsenherzögen und den Kuenringern zweifellos bestand, erklärt sich auch die Nennung Wilhelms von Meissen auf der obigen Urkunde.
Forschung nimmt heute als sicher an, dass die in Kühnring noch vorhandenen spärlichen Mauerreste einer Burg als letztes Zeugnis für das Vorhandensein des Stammsitzes des bedeutenden Ministerialengeschlechtes der Kuenringer zu werten sind. Das Gebiet des heutigen Waldviertels bildete in jener fernen Zeit, in die uns die Gründung Rappottensteins zurückführt, einen Teil des großen Grenzwaldes, der, vom Fichtelgebirge bis zur Donau reichend, böhmisches Land vom deutschen Siedlungsgebiet trennte.
In diesem "Nordwald" - "silva nortica" - stießen, vom Osten kommend, angeführt von adeligen und geistlichen Grundherren, um die Mitte des 11. Jahrhunderts Siedler vor. Der Anstoß zu dieser Siedlerbewegung kam sicher von den Babenberger Markgrafen, die bestrebt waren, ihren Einflussbereich auch auf dieses Gebiet auszudehnen. Die Besiedlung muss sich sehr schwierig gestaltet haben; denn nur so ist es zu erklären, dass die Babenberger den die Kolonisation leitenden Grundherren außergewöhnliche Rechte zubilligten. In der Folge sollte es sich auch zeigen, dass nicht nur die Landesherren, sondern auch die Kuenringer selbst durch die große Macht gefährdet waren; denn schließlich brachte sie ihnen ja, resultierend aus überheblicher Unbotmäßigkeit, sogar den Untergang.

Vorläufig aber übernahmen die Kuenringer bei den Markgrafen von Österreich einen ritterlichen Dienst, ein Ministerium. Trotz ihres beträchtlichen Besitzes beugten sie sich also der markgräflichen Gewalt. Die Markgrafen wussten dies zu würdigen und übertrugen ihnen zur Erschließung und Sicherung immer weitere Gebiete, darunter auch den "districtus Zwettlensis". Hier hat der Großneffe jenes Azzo, Hadmar I., sich selbst und seinem Geschlecht mit der Gründung des Stiftes Zwettl (1138) ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Sicher wollte der Kuenringer mit dieser Gründung dem neu erschlossenen und mit den ersten Burgen gesicherten Land ein religiöses und für die wirtschaftliche Weiterentwicklung höchst notwendiges Zentrum schaffen, doch ist die Eile, mit der er die Klostergründung betrieb, auffällig. Es ist natürlich durchaus möglich, dass sich Hadmar I. krank fühlte, da er ja schon am 27. Mai 1138, wenige Monate nach der Klostergründung also, starb, und zwar kinderlos. Dr. Windisch-Graetz allerdings sieht in der auffallenden Eile, mit der dieser bedeutende Kuenringer an die Gründung eines Hausklosters ging, eine gewisse Rivalität zwischen seinem Geschlecht und den Landesherren, die zwei Jahre vorher mit Heiligenkreuz das erste Zisterzienserkloster gegründet hatten. Trotz der Klostergründung in Zwettl lag aber der Schwerpunkt der Macht der Kuenringer mehr im westlichen Waldviertel, wo sie zweifellos als die bedeutsamsten Grundherren auftraten.
In der Mitte zwischen den beiden wichtigsten unter Kuenringerherrschaft stehenden Distrikten, dem bereits genannten districtus Zwettlensis und dem districtus Witrensis, wurde eine besonders feste Burg errichtet, nämlich Rappottenstein. Obwohl dieser Burg von allem Anfang an wegen ihrer strategischen Lage große Bedeutung zukam, liegen dennoch ihre Anfänge nicht völlig klar vor uns.
Pfarrer Alois Plesser, aus der Gemeinde Rappottenstein gebürtig, beschäftigte sich ein Leben lang mit der Erforschung der Geschichte seiner engeren und weiteren Heimat und betrieb dazu ein unwahrscheinlich umfangreiches Quellenstudium. Er schreibt über die Gründung der Burg Rappottenstein: "Auch Gutenberg (Ort im SO von Rappottenstein) war 1171 ein Lehen seines (nämlich des Azzo von Kuenring) Geschlechtes. Daraus wollte man schließen, dass Rappottenstein unter seine Besitzungen gehört habe und von seinem Enkel Rapoto von Kuenring-Schönberg erbaut und benannt worden sei." In der Folge bezweifelt er dies aber, weil nicht eindeutig hervorgeht, um welchen Rapoto es sich handelt. Leider führt er gerade für diese Behauptungen keine Quellen an, und so kann man nur vermuten, dass er zu diesem Schluss dadurch kam, dass er eine Urkunde, die Dietrich von Liechtenstein dem Stifte Klosterneuburg über Sierndorf ausstellte und in der ein Chunrat de Rapotinstein als Zeuge genannt wird, in die Zeit um 1140 verlegt, während sie nach den Ergebnissen der neueren Forschung in die Jahre 1186 bis 1192 gehört.

Im Gegensatz zu Plesser, der in dem genannten Chunrat de Rapotinstein den vermeintlichen Erbauer der ersten Burganlage in Rappottenstein sieht, nehmen es heute die Historiker als wahrscheinlich an, dass nicht er, sondern der in der Zeit von 1157 bis 1176 in Urkunden nachweisbare Rapoto von Kuenring-Schönberg die erste Burg "auf dem Stein" errichtete. Auch die Errichtung der ersten Kirche in Rappottenstein wird diesem Rapoto zugeschrieben.
Der Burg kam von vornherein große Bedeutung zu, da sie einerseits ziemlich in der Mitte des ausgedehnten Kuenringerbesitzes lag, andererseits aber auch den uralten, teilweise noch heute im Gemeindegebiet nachweisbaren Verbindungsweg ("Pehamsteig") schützte, der "vom Stromtal kommend durch die weiten Forste des Nordwaldes ins böhmische Land hineinführte. Er wird auch "steinerner Weg" genannt. Zudem bildete die Burg Rappottenstein eines der stärksten Glieder in jener am Flusslauf des Kamp entstandenen Kette von Befestigungen, denen die Aufgabe zukam, das Land vor Einfällen der Böhmen zu schützen und damit auch der Babenbergermark Flankenschutz zu gewähren.
Die nunmehr rasch fortschreitende Kolonisation zeigt den Neffen Rapotos, Heinrich II. von Kuenring, bereits in Weitra, wo er zu Beginn des 13. Jahrhunderts Burg und Stadt Weitra gründete. Damit waren die Kuenringer Besitzer ungeheurer Ländereien und am Gipfel ihrer Macht. Die Neugründung Weitra überflügelte an Bedeutung in der Folge bald Rappottenstein, vor allem als Verwaltungszentrum. Dies hing auch mit dem Umstand zusammen, dass die Burgherren sich zumeist in Weitra aufhielten, da ihre Anwesenheit auf diesem weit vorgeschobenen Posten sicher notwendiger war als in dem "ruhigen" Rappottenstein. Vielleicht lässt es sich auch so erklären, dass die Nachfolger Rapotos deswegen für einige Zeit, zumindest nach dem heutigen Stand der Forschung, urkundlich nicht belegt sind.
Es ist ja leider auch eine Tatsache, dass in Rappottenstein kein Schlossarchiv besteht. Die wenigen Urkunden, die überhaupt die Zeiten überdauerten, wurden ursprünglich nach Bockfließ, das, wie Rappottenstein, ebenfalls ein Besitz der Familie Abensperg-Traun ist, gebracht und vor einiger Zeit nach Maissau (ebenfalls Abensperg-Traun'scher Besitz) verlagert. Dort wurde ein eigenes Archiv eingerichtet. Allerdings geben die Maissauer Urkunden, soweit sich das nach einer ersten Durchsicht sagen lässt, keinen Aufschluss über die Zeit nach 1176.

Als die nächsten nachweisbaren Besitzer der Burg Rappottenstein nennt Plesser die Brüder Hadmar und Heinrich von Kuenring. Sie nahmen 1230 am Aufstand gegen den Herzog teil und sollen der Sage nach den aus der herzoglichen Schatzkammer in Wien geraubten Schatz in den Verliesen der Burg Rappottenstein verborgen haben. Ergänzend dazu schreibt Plesser: "Auch der Dichter Matthäus von Collin lässt in seinem Drama Die Chunringer den Hadmar von Kuenring diesen entwendeten Schatz in dem tiefsten Verliese Rappottensteins verbergen und Erde, Steine und Totengebeine draufschütten. Ringsherum sitzen auf steinernen Bänken bleiche Gestalten, denen der Bart bis auf die Füße hinabwallt. Als Hadmar eine der Gestalten berührt, zerfällt sie in Staub; es sind Überreste verhungerter Gefangener." Bei diesem Drama handelt es sich wohl um eine reichlich schaurige Gruselgeschichte, die auch Plesser als unverbürgte Mähre, der kaum geschichtliche Wahrheit zu Grunde liegt, bezeichnet.
Auf den Boden der historischen Tatsachen bringt uns wieder eine Urkunde aus dem Jahre 1259 zurück: 1259, am 7.3., wurde beim Gerichtstag zu Mautern von den Richtern Otto von Maissau und Otto von Haslau bestimmt, dass Heinrich II. (lt. Windisch-Graetz Heinrich IV.) von Kuenring, "heres de Weytra, potens Marschalcus Austrie", der edlen Frau Berta von Eggenburg, Tochter des Herren Otto von Heidenreichstein, und ihrem Sohn Wernhard das widerrechtlich zurückgehaltene "Castrum Rapotenstein" zurückgeben solle. Ferner wurde der Kuenringer auch noch dazu verurteilt, an Berta von Eggenburg und ihren Sohn 300 Talente Wiener Denare zu bezahlen. Diese Strafe wurde aber gewissermaßen "bedingt" ausgesprochen, denn es heißt weiter, Heinrich solle "für diesmal" noch von der Bezahlung frei sein.
Aus dieser Urkunde lässt sich schließen, dass Weitra damals bereits Rappottenstein endgültig den Rang abgelaufen hatte; denn der Besitzer von Rappottenstein saß auf der Burg in Weitra! Um den Schiedsspruch des Mauterner Gerichtstages kümmerte sich der mächtige Kuenringer wenig. Wer sollte ihn in jener gesetzlosen Zeit auch dazu zwingen können? Der "Marschall von Österreich" ließ also Gerichtsspruch Gerichtsspruch sein und behielt sich weiterhin Rappottenstein. Um für alle Eventualitäten gesichert zu sein, machte er sich auch noch den Rücken frei, indem er mit dem Markgrafen Ottokar von Mähren Freundschaft schloss. Doch auch Ottokar unterschätzte den Kuenringer nicht und gab sogar dessen Sohn, Heinrich V., seine Tochter Elisabeth zur Frau. Ottokar hatte sich damit in jener unruhigen Zeit einen wichtigen Bundesgenossen in Österreich gesichert, der Kuenringer aber, vom nunmehrigen Böhmenkönig Ottokar II. mit dem Beinamen "Suppanus", der Würde eines Burggrafen, ausgezeichnet, übersah, dass sein Absichern nach allen Seiten auf die Dauer nicht gut gehen konnte. Jedenfalls ergab sich der groteske Zustand, dass Heinrich IV. von Kuenring zugleich Marschall von Österreich und böhmischer Suppanus war.

1263 gründete Heinrich IV. von Kuenring-Weitra in Alt Melon ein Kloster für Zisterzienser-Nonnen, zu dem er im Jahre 1271 sogar das Patronat über die Pfarre Rappottenstein gab. Für Heinrich V. war das Jahr 1278 entscheidend. Trotz seines österreichischen Marschallamtes schlug er sich auf die Seite Ottokars - der ja nun allerdings, wie man einräumen muss, sein Schwiegervater war! - und wurde nach dem Sieg Rudolfs bei Dürnkrut und dem Tode Ottokars seiner Besitzungen für verlustig erklärt. Er erlebte also am eigenen Leibe "König Ottokars Glück und Ende" und starb als gebrochener Mann im Juli 1281 in Troppau in der Verbannung. Sein Bruder, Hadmar VI., war unvermählt geblieben und schon 1271 gestorben, beider Vater aber, der als der eigentliche Urheber des über die Kuenringer hereingebrochenen Unheils angesehen werden muss, überlebte seine beiden Söhne und starb, ebenfalls von seinen einstigen Besitzungen verbannt, 1293 in Znaim.
Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist es nicht möglich, für die Zeit vom Sturz der Kuenringer bis zur Übernahme der Burg Rappottenstein durch die Dachsberger (1305) die Inhaber der Herrschaft Rappottenstein mit Sicherheit festzustellen. Der unglückliche Heinrich V. hatte zwar einen Sohn, den 1303 verstorbenen Heinrich VII., doch gelangte dieser nie in den Besitz der Güter seiner Vorfahren.
Durch Schulrat Frank, sicher einer der besten Kenner des Waldviertels, wurde ich auf eine Notiz in einem Touristen-Führer aus dem Jahre 1890 aufmerksam gemacht. Dort heißt es: "Von den Kuenringern wurden Schloss und Herrschaft Rappottenstein an die Herren von Falkenberg vererbt (1282). Diesen folgte wieder durch Erbschaft das Adelsgeschlecht der Kapeller (1289)." Leider fehlt hier die Angabe von Quellen, sodass es mir nicht möglich war, diese Notiz zu überprüfen. Der derzeitige Besitzer von Rappottenstein, Dr. Abensperg-Traun, misst diesen Angaben jedenfalls nur wenig Glaubwürdigkeit bei. Landesarchivar Dr. Feigl, der in seiner Freizeit das Archiv in Maissau ordnet, sagte mir, dass auch die dort vorhandenen Akten und Urkunden nicht zur Klärung der Sache beizutragen vermöchten.
Wenn man den Stammbaum der Herren von Kuenring-Weitra in Friesens "Die Kuenringer" näher betrachtet, so findet man dort, dass die 1291 verstorbene Gisela von Kuenring-Weitra, Tochter des Hadmar II., der "als ständiger Begleiter Leopolds V. von Babenberg" oft genannt wird, mit einem Ulrich von Falkenberg vermählt war. Die Falkenberger könnten daher wohl in den Besitz Rappottensteins gekommen sein, nachdem man die männlichen Kuenringer in die Verbannung geschickt hatte.
Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang ferner, dass z.B. Arbesbach, das ja im 12. und 13. Jahrhundert zum Stammgebiet der Kuenringer auf Weitra-Rappottenstein gehörte, im Jahre 1291 von Ulrich von Capell durch seine Heirat mit Margaretha von Falkenberg erworben wurde. Hier könnte vielleicht der Beweis dafür gefunden werden, dass die Angaben im "Touristen-Führer" stimmen, dass also zuerst die Falkenberger den Besitz erbten und dieser nach dem Tod Giselas von Falkenberg-Kuenring wirklich an die mit den Falkenbergern so nahe verwandten Kapeller kam.

In diese Epoche, in die, wie Dr. Feigl meint, nur sehr schwer Licht gebracht werden wird können, fällt eine für Rappottenstein sehr wichtige Entscheidung: Konrad von Sommerau, Besitzer der Herrschaft Anschau (bei Traunstein), hatte sich am Aufstand gegen Albrecht I. (1248-1308) beteiligt. Die Truppen Albrechts zerstörten daher im Zuge der Kampfhandlungen die Burg Anschau. Konrad von Sommerau wurde seines Besitzes für verlustig erklärt. Ein Teil der bedeutenden Güter kam an Rappottenstein. Rechts an der Straße von Traunstein nach Schönbach, etwa 2 km nordwestlich von Traunstein, sieht man heute noch auf dem so genannten "Hausberg" die spärlichen Reste der einstigen Burg. Auch Wall und Graben sind noch erkennbar. Kurz zur Geschichte der Burg Anschau: Hier saß von 1209 bis 1273 ein Zweig der Starhemberger, der sich "von Anschau" nannte. Der Name soll mit dem französischen Namen Anjou gleichbedeutend und der vier Jahre vor der ersten Erwähnung des Namens Anschowe entstandenen Dichtung "Parcival" entnommen.


Die Dachsberger >top<

Nach dem Sturz der Kuenringer erfolgte die Übernahme der Herrschaft Rappottenstein durch die aus Oberösterreich stammenden Dachsberger (1305). Nach dem jähen und tragischen Absturz dieses mächtigen Zweiges der Kuenringer konnte endlich Rappottenstein den Nachkommen jener Berta von Eggenburg, den Herren von Dachsberg, als den rechtmäßigen Besitzern übergeben werden. Diese blieben bis 1423 die Herren der Burg.
1305 verglichen sich die Brüder Wolfger, Heinrich und Ulrich von Dachsberg mit dem Stifte Zwettl wegen Gütern in "Plezperch, Zaglawe, Schafperch und Poeseweissenbach" (= Klein Weißenbach), indem sie dem Stifte "ihre Rechte in diesen Dörfern gegen ein jährliches Frohmahl abtraten". Daraus geht klar hervor, dass in diesem Jahre (1305) die Dachsberger, die in ihrem Wappen einen Dachs führten, Besitzer von Rappottenstein waren. Hatten sie im Jahr ihrer erstmaligen urkundlichen Erwähnung noch das beste Einvernehmen zum Stift herzustellen gewusst, zeigten sie sich bereits fünf Jahre später, 1310, von einer ganz anderen Seite: In diesem Jahr entrissen sie nämlich den Meloner Zisterzienserinnen, die allerdings das Kloster bereits verlassen hatten und nach St. Bernhard bei Horn übersiedelt waren, ihren nicht unbeträchtlichen Besitz in Melon und auch das Patronat der Pfarre Rappottenstein. Das Stiftungsbuch von St. Bernhard beschwert sich in diesem Zusammenhang darüber, dass die Herren von Dachsberg die Notlage der Nonnen benützt hätten, die Besitzungen des Ordens in Melon für einen viel zu geringen Kaufpreis an sich zu reißen.
1327 scheint Ulrich von Dachsberg als alleiniger Besitzer von Rappottenstein auf. Er gab in diesem Jahre "mit gutem Willen seiner Hausfrau Euphemia und den Kindern seines Bruders Heinrich, nämlich Eberhart, Wolfker, Elspet und Clara, dem Stifte zu Zwettl 5 Pfd. Pfen. Und 17 Pfen. Geldes an Michälidienst". Dafür sollte jeder Herr und Bruder jährlich ein Frohmahl erhalten, dessen Zusammensetzung der Stifter folgendermaßen festsetzte: Jeder soll jährlich einmal erhalten: 3 Stück guter Fische, und zwar ein Hausen-, ein Karpfen- und ein Hechtenstück, überdies eine Pfennigsemmel, 3 Eier, 1 Krapfen und 1 Maß guten Weines aus des Abtes Keller. Als Gegenleistung verlangte der Dachsberger, dass seiner im Gebete gedacht werden solle. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass mit dieser Stiftung eine gewisse Wiedergutmachungsabsicht hinsichtlich des den Zisterzienserinnen von Melon vom Stifter und seinen Brüdern angetanen Unrechts verbunden war.

Nun wird es wieder schwierig, die Besitzer der Burg Rappottenstein festzustellen; denn die nächste Urkunde, die uns erhalten ist, stammt aus dem Jahre 1371. Es erscheint als gewiss, dass in der fraglichen Zeit von 1327 bis 1371 ein oder mehrere Dachsberger urkundlich nicht belegt sind. In einer Urkunde aus dem Jahr 1330 scheint zwar ein Heinrich von Rapoltstein (= immer wieder auftauchende Form für Rappottenstein) als Zeuge bei dem Freundschaftsbund des Königs Johann von Böhmen mit Herzog Albrecht II. und Herzog Otto von Österreich auf, doch ist es nicht möglich, diesen Mann in die Reihe der Besitzer der Burg Rappottenstein einzuordnen.
1371 teilten des "Wolfgang von Dachsbergs Söhne, Heinrich und Gundacker, sowie auch die Söhne des verstorbenen Eberhard von Dachsberg, Wolfgang, Ulrich und Hanns, sich in die Vesten Dachsberg, Arbaisbach, Rapottenstein, Antschau samt Zugehör, darunter auch Perchtenschläger Wald und Besitzungen im Reut Veldt. Zugleich stellten diese Erben ihrer Verwandten Anne, Hausfrau des Rudiger von Starhemberg, einen Schadlosbrief aus". Rappottenstein war also wieder einmal, wie so oft in seiner Geschichte, Eigentum mehrerer Besitzer.
Im Jahre 1371 besaßen die Dachsberger bereits das Kirchenlehen zu Schönbach. Ebenso war Trewenstein (Traunsein) ein Ort unter der Herrschaft Rappottenstein. 1378 ließ Georg von Dachsberg, der verheiratet war mit Williburg von Kapellen, die Burg umbauen und vergrößern. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Burgkapelle in den romanischen Bergfried eingebaut. Die Reliquienkapsel in der Altarmensa trägt noch das Siegel des Weihbischofs von Passau, Blasius, (Eps. Millensis, also von Milo), der am 25.1.1379 die Weihe des Altars vollzog. Nach der in Maissau noch vorhandenen Urkunde wurde die Burgkapelle den Heiligen Pankraz und Georg geweiht.
In der Folgezeit kümmerte sich der Dachsberger um seinen Besitz Rappottenstein herzlich wenig. So konnte es geschehen, dass sich die von ihm eingesetzten Pfleger bald als Herren der Burg gebärdeten. Besonders die seit 1380 als Verwalter aufscheinenden Pillung von Siegharts waren mehr auf ihren eigenen Vorteil als auf den ihres Herren bedacht. Schließlich eignete sich ein Pitzlin der Pillung sogar die Burg und einige Güter der Herrschaft an.
Besonders arg trieb es aber sein Sohn Jakob Pillung. Er wird als gewalttätiger Mann beschrieben und brachte durch einen Raub unglaublichen Ausmaßes das Stift Zwettl an den Rand des Ruins: 1383, am 26. Juli, überfiel er mit 37 seiner gefürchteten Raubgesellen den Hof Retschen (heute Ratschenhof), der damals noch Stiftsbesitzer war, und raubte dort "1.300 Schafe, 34 Ochsen, 60 Kühe, Kälber und Stiere, 30 Ziegen und 37 Pferde". Dass im verhältnismäßig kleinen Ratschenhof einmal eine so große Anzahl von Schafen gehalten wurde, erscheint unwahrscheinlich. Im Stift Zwettl zweifelt man aber nicht an der Richtigkeit der vom ehemaligen Abt Link in seinen "Annalen Claravallenses" angeführten Zahlen, da sich Link ja ausschließlich auf vorhandenes Aktenmaterial stützte.

Die ganze Raubgeschichte hat aber noch eine Pointe, die ein bezeichnendes Licht auf die tristen Zustände in der damaligen Zeit wirft: Das Stift, um seine ganze Schafzucht und damit um den Rohstoff für seine "Bekleidungsindustrie" gebracht, sah sich gezwungen, dem Räuber einen Teil der Tiere gegen Bargeld abzulösen. Der Handel kam zu Stande, und Jakob Pillung steckte für 300 Schafe, die er dem bestohlenen (!) Stifte verkaufte, 80 Talente ein. Da er aber, wie von ihm kaum anders zu erwarten war, die schwächsten Tiere aussuchte, gingen die meisten davon ein, als sie das Stift wieder übernommen hatte. Sicher werden die Schafe von dem Räuber auch kaum sehr gut behandelt worden sein.
Die Familie Pillung trieb es schließlich so arg, dass auch die Dachsberger, nach wie vor rechtmäßige Eigentümer der Burg, sicher deshalb manchen Vorwurf werden einstecken haben müssen. Obwohl sie aus eigener Kraft nicht dazu im Stande waren, die Pillungs aus der Burg zu vertreiben, gaben sie ihre Zustimmung, dass Herzog Albrecht den Versuch unternehmen solle, die Festung Rappottenstein dem Niklas Pillung mit Waffengewalt zu entreißen. Die entsprechende Urkunde wurde von Heinrich Dachsberg am 24. September 1383 ausgestellt.
Falls der Herzog Erfolg hätte, so wurde in den Abmachungen bestimmt, sollten "Albero von Puchheim und der Hofmeister Hanns von Lichtenstein bestimmen, was ihm (dem Dachsberger) der Herzog für seine Rechte auf die Veste zu leisten habe". Am 7. Februar 1384 kam es schließlich zu einem Vergleich, in dem der Herzog zwischen Niklas Pillung und Heinrich von Dachsberg wegen der Veste Rappottenstein entschied.
Ganz gaben sich die Pillungs aber noch immer nicht geschlagen, denn es dauerte noch volle 24 (!) Jahre, bis sie allen "Ansprüchen" auf Rappottenstein entsagten. Erst 1408 "räumten Jakob Pillung zu Sigharts, seine Brüder Niklas der Jüngere und Stephan die zur Veste Rappottenstein gehörigen Güter und Gründe, die ihr Vater Pitzlin der Pillung gewaltsam den rechtmäßigen Besitzern entrissen hatte, dem Georg von Dachsberg ein und entsagten allen Ansprüchen darauf.
Nach 1384 saßen also wieder die Dachsberger auf ihrem Besitz Rappottenstein und gelangten bald zu großem Ansehen. Jörg (Georg) von Dachsberg, 1399-1402 auf Rappottenstein nachweisbar, dessen Wappen noch heute die Wand eines der vielen Zimmer ziert, war Maarwschall von Österreich und gehörte zu den vom Herzog ernannten "Geräumeistern". Als solcher zog er im Lande umher und machte mit dem Raubgesindel kurzen Prozess, indem er alle, die ihm von der gepeinigten Bevölkerung als Räuber und Diebe bezeichnet wurden, ohne großes Federlesen aufknüpfen ließ. So schaffte er es, dass in seinem Wirkungsbereich bald Ruhe und Ordnung einkehrten.

Dem vorbildlichen Verhalten dieses Mannes dürfte es auch zu verdanken sein, dass die Herzöge Wilhelm und Albrecht am 29.1.1401 den von Ulrich von Dachsberg für die Hilfe gegen die Familie Pillung an Albrecht III. seinerzeit "über die Pfandschaft der Veste Rapotenstein und 3000 Pfd. Pfen. ausgestellten Lösungsrevers" vernichteten. Vielleicht mochte ihnen der Umstand, dass die Pfandschaftsurkunde unauffindbar war, ihren Entschluss erleichtert haben!
Nachdem die Dachsberger nun schon wieder einige Zeit unumschränkte Herren auf Rappottenstein waren, erhielten Ulrich von Dachsberg, sein Sohn Jörg und ihr Vetter Jörg den Besitz zum Lehen (1401). Dieser Vetter dürfte ein Sohn des 1371 genannten Gundakar von Dachsberg gewesen sein. Er war der Letzte seines Geschlechtes auf Rappottenstein. Von 1402 bis 1415 (1423) war Jörg (Georg) von Dachsberg Besitzer von Rappottenstein, dessen Ehe nur eine Tochter, Anna, entspross, die mit Rüdiger III. von Starhemberg vermählt war. Da Jörg von Dachsberg keinen männlichen Nachfolger hatte, vermachte er Rappottenstein testamentarisch seinen beiden Enkeln Gundakar und Caspar von Starhemberg, den Söhnen seiner Tochter Anna. Dieses Testament, 1406 errichtet, wurde von Jörgs Vetter Hanns, nicht aber von Ulrichs Tochter Kunigunde, Frau des Heinrich von Pottendorf, anerkannt, die erst 1415 in dieses "Vermächtnis der Güter Rapotenstein, Arbaisbach, Wolfgerstorff und Dachsperg" einwilligte. (Plesser entnahm diese Angaben Urkunden des k.k. Haus-, Hof- und Staatsarchives).
Georg von Dachsberg sühnte auch noch das Unrecht, das von Rappottenstein aus seinerzeit dem Stifte Zwettl zugefügt worden war: Als er 1408 durch den endgültigen Verzicht der Pillung wieder die ganze Herrschaft besaß und zu Wohlstand gelangt war, ließ er "1410 dem Stifte Zwettl 1000 Pfd. Pfen., die es ihm schuldete, nach und gab ihm auch die versetzten Gülten und Güter zurück, nämlich den Hof zu Haipach (Heubach) mit Zugehör, phening gult, magegelt (Mohngeld) und traidgeld, das Dorf Spretniz (Sprögnitz), Rotnrait, Schonaw, Grozzenweizzenbach, Gülten und Güter zu dem Götfrits und in dem Amt zu de Ocze (Etzen)." Dafür sollte das Stift diese Güter ohne seinen Willen nicht mehr versetzen oder verkaufen dürfen und ihm und seinen Erben als "vogt dinst zu ihrer vest gan Rapotnstain zwei Muth Hafer zwetlermazz" geben, solange sein Geschlecht besteht; und auch zwei Jahrtage (soll das Stift) für sein Geschlecht abhalten lassen mit nächtlicher Vigil und 16 Messen am Morgen, nämlich am Montag nach dem Sonntag Invocavit und am Montag nach dem Quatembersonntage im Herbst. Den Herren und Brüdern soll an beiden Tagen die Pfründe verbessert werden."

Plesser schreibt weiter: "Noch heute werden für die Herren von Dachsberg jährlich 25 Messen gelesen". Da er diese Feststellung vor mehr als 50 Jahren traf, fragte ich beim Pfarramt, Stift Zwettl nach, ob diese Messen auch heute noch gelesen werden. Tatsächlich finden sich unter den mehr als 200 Messen, die noch heute als Stiftungsmessen jährlich von den Mönchen des Stiftes Zwettl zelebriert werden, 12 mit festem Termin, 13 zu freiem Termin, zusammen also 25 Messen, die seinerzeit von den Dachsbergern gestiftet wurden und heute vom Kammeramt des Stiftes mit dem Pfarramt verrechnet werden.


Herren von Starhemberg >top<

Nach dem Tod von Georg von Dachsberg 1423 ging laut Testament die Herrschaft über Rappottenstein an die Herren von Starhemberg über. Der letzte Dachsberger hatte seine Enkel Caspar und Gundakar von Starhemberg zu Erben eingesetzt, doch waren diese beiden bereits 1418, also fünf Jahre vor ihrem Großvater, gestorben. So scheinen daher von 1423-1428 Johann IV. und Rüdiger VII. von Starhemberg als Inhaber der Herrschaften Rappottenstein und Arbesbach auf. Es dürfte sich dabei um Nachkommen der vom Testament ursprünglich Begünstigten handeln.
Die Starhemberger leiten ihren Namen vom Schloss Starhemberg ab, das sie um 1176 bei Lambach in Oberösterreich erbauten. Von 1428 bis 1430 scheinen die Brüder Rüdiger VII. und Gundakar IX. von Starhemberg als Herren von Rappottenstein auf. Sie wurden von Herzog Albrecht V. belehnt und erweiterten 1428 ihren Besitz durch den Zukauf von Marbach und Rottenbach.
1439 wird die Pfarre Rappottenstein von den Starhembergern verliehen. Im Jahre 1430 starb Gundakar IX. Ab diesem Jahr ist also Rüdiger VII. Alleinbesitzer. Er gehört zweifellos zu den bedeutendsten Männern, die jemals über Rappottenstein herrschten. Rüdiger war ein treuer Anhänger Friedrichs III. Der Kaiser schätzte ihn sehr hoch und verlieh ihm eine Reihe wichtiger Staatsämter. Rüdigers Belehnung mit Rappottenstein erfolgte 1455. Er besaß aber auch noch "Antschau samt allen Gütern, Zehenten zu Prannt, Werssenslag, Zwinssen, Aichorns, Mitlberg, Royten u.a.". Ferner übte er in seinem Herrschaftsbereich die Landgerichtsbarkeit aus. Als einer der wenigen kaisertreuen Adeligen (Friedrichs III.) hatte dieser Starhemberger oft Gelegenheit, seine Treue zum Herrscher unter Beweis zu stellen. So focht er manchen harten Strauß gegen den böhmischen Adeligen Johann von Sternberg aus, der 1471 sogar Ottenschlag besetzt hatte, und nahm 1474 das von Böhmen und Ungarn schwer bedrängte Stift Zwettl unter seinen Schutz, wobei es ihm gelang, den Feinden des Stiftes großen Schaden zuzufügen.
Die vielen Händel, in die dieser streitbare Mann verwickelt war, bedingten oft eine lange Abwesenheit von seinem Besitz. Diesen Umstand machte sich einer seiner räuberischen Standesgenossen, ein Ritter namens Plaz, zunutze, indem er die zeitweise unbeschützten Untertanen des Starhembergers plünderte.

In den Jahren 1430-1440 ließ Rüdiger VII. die Pfarrkirche in Schönbach erbauen. Es muss diesem tatkräftigen Mann also gelungen sein, seinem Herrschaftsbereich in diesen bewegten Zeiten verhältnismäßig große Ruhe und Sicherheit zu gewähren.
Aus dem Jahre 1477 stammt eine Urkunde, die für Rappottenstein von Bedeutung ist: Ulrich Puchler, Pfleger zu Rappottenstein, siegelte in diesem Jahre einen Kaufvertrag, nach dem der Rappottensteiner Bürger Peter Lebzelter gewisse Lehen in Rappottenstein erhielt. (Noch heute heißt der betreffende Bauernhof "Lebzelterhof".) Weil hier also von einem "Bürger" Rappottensteins die Rede ist, darf man schließen, dass der Ort damals bereits das Marktrecht besaß. Pfarrer Plesser nimmt an, es stamme schon aus dem 14. Jahrhundert, also noch aus der Zeit der Dachsberger.
Im Jahre 1477 war Rüdiger von Starhemberg zusammen mit anderen österreichischen Adeligen am Abschluss eines Waffenstillstandes mit den Böhmen beteiligt, der vom 31.12.1477 bis St. Georg 1488 währte. In der Urkunde wird Rappottenstein ausdrücklich erwähnt. Nach Ablauf dieses Waffenstillstandes fielen die Böhmen wieder im Waldviertel ein und verheerten das Land in entsetzlicher Weise. So wird berichtet, dass Petrus von Sternberg gegen 3.000 Haustiere als Beute nach Böhmen verschleppte. Rüdiger VII. starb hoch betagt im Jahre 1480, nachdem er nicht weniger als 57 Jahre die Herrschaft über Rappottenstein zum Wohle seiner Untertanen und zur Ehre und zum Nutzen seines Geschlechtes ausgeübt hatte.
Wahrscheinlich wurde von ihm auch die Erweiterung der romanischen Pfarrkirche zu einer dreischiffigen gotischen Anlage durch Anbau von niedrigeren Seitenschiffen durchgeführt. Die romanischen Langhausmauern wurden beiderseits von Spitzbogenöffnungen durchbrochen, die Schiffe erhielten Netzgewölbe. Im nördlichen Seitenschiff wurde eine Gruft erbaut, ein Gegenstück zu der im Süden liegenden Dachsbergergruft. Am 26.12.1481 schreibt Rappottenstein-Hans Kutnbaum, Pfleger zu Neusiedl, der Kaiser habe ihm befohlen, "meinem gnedigen herrn, herrn Ulrichen sein pruedern und vettern von Starhemberg das geslos Rapotenstain abzutreten".
So ist es zu erklären, dass mit Georg von Starhemberg, dem einzigen Sohn Rüdigers VII., gleichzeitig ein Vetter Georgs, Ludwig von Starhemberg, als Besitzer aufscheint. Von 1481 bis 1491 saßen diese beiden Starhemberger also gemeinsam auf Rappottenstein. Als Georg von Starhemberg 1491 starb, übte Ludwig die Herrschaft alleine aus, und zwar bis zum Jahre 1513. Ludwig von Starhemberg ging im Jahre 1487 mit den Ungarn, die ja damals einen großen Teil Österreichs besetzt hielten und von 1486 bis 1489 eine starke Besatzung von 200 Mann im Stift Zwettl liegen hatten, wegen der Feldbestellung und Ernteeinbringung einen Waffenstillstand ein. Während seiner Regierungszeit wurde die Pfarrkirche in spätgotischem Stile umgebaut.

Nach Ludwig von Starhemberg folgte von 1513 bis 1531 dessen Bruder Bartholomäus. Dieser Starhemberger wurde dadurch bekannt, dass er im Jahre 1524 als einer der ersten österreichischen Adeligen zum Protestantismus übertrat. Er begünstigte die Verbreitung der neuen Lehre in jeder Weise, obwohl er vorerst den katholischen Pfarrer auf der Pfarre Rappottenstein beließ. Bartholomäus I. stand mit Luther sogar im Briefwechsel. Von 1531 bis 1533 scheint Hanns VI., ein Sohn des Bartholomäus, als Besitzer der Burg auf. Vom 21. Mai 1531 datiert eine alte Gültanlage des Erasmus von Starhemberg, in der die Zahl der Untertanen der Herrschaft Rappottenstein mit 500 angegeben wird (Gültbuch im Niederösterreichischen Landesarchiv).
Nach Hanns VI. teilten sich zwei Erben den Besitz, und zwar sein Sohn Erasmus I. und sein Neffe (?) Hanns VII. Sie herrschten von 1533 bis wahrscheinlich 1555 und machten sich durch den Ausbau der Burg, der in die Jahre 1548-1550 fällt, verdient. Die Burg dürfte damals ihr heutiges Aussehen erhalten haben. Es entstand nicht nur der große Westtrakt (Südtrakt) mit seinen Arkadengängen im Innern des Burghofes, sondern auch der Uhrturm. Die äußere Umfassung wurde um den großen ersten Hof erweitert, wobei die beiden runden Einfahrtstürme entstanden. Auch das Brauhaus, an dem die Jahreszahl 1548 zu sehen ist, fällt in diese Bauperiode.
Der letzte Starhemberger Paul Jakob verkaufte 1556 die Herrschaft an die Herren von Landau.


Die Landauer >top<

Am Sonntag nach St. Michaelstag (4. Oktober) unterschrieb Paul Jakob von Starhemberg 1546 noch das neue "Urbar-Puech" der Herrschaft Rappottenstein, verkaufte aber noch im selben Jahr die Herrschaft, "zu welcher damals auch die Güter Groß Pertholz, Reichenau, Weißenbach, Rottenbach, Marbach, Kerbach, Langschlag, Gerungs, Traunstein und Anschau gehörten, um 85.000 fl. und 600 fl. Aufgebot-, Rüst- und Schlüsselgeld an die Herren von Landau". Die Landauer, nunmehr neue Besitzer, waren protestantisch. Sie stammten aus Schwaben und waren mit den Herzögen von Württemberg und Teck verwandt. Daher führten sie - wie diese - drei quer übereinander liegende Hirschgeweihe im Wappen. Sie erhielten 1564 das Prädikat "Freiherren zum Hauss und Rappottenstein". Im Jahre 1578 starben Hanns und Christoph von Landau, weshalb eine Neuverteilung des Besitzes unter den noch lebenden Geschwistern vorgenommen wurde.
Von 1578-1598 scheint Achaz von Landau als Alleininhaber der Herrschaft Rappottenstein auf. In seine lange Regierungszeit fällt auch der Ausbruch des Waldviertler Bauernaufstandes: Zu Beginn des Jahres 1597 verbreitete sich das Gerücht, die kaiserlichen Reiter hätten die Bauern in Rappottenstein, Ottenschlag, Zwettl und Pöggstall fürchterlich misshandelt und vielen von ihnen die Finger und auch die Nase abgeschnitten. Als gar noch behauptet wurde, zu Ottenschlag hätten die Kaiserlichen schon einen Metzen Ohren und Nasen beisammen, gerieten die Bauern begreiflicherweise in ungeheure Aufregung. Schon am 25. und 26. März 1597 erschienen auch Bauern aus Rappottenstein auf der Versammlung der Aufständischen zu Münichreith am Ostrong und baten um Hilfe gegen die Reiter, von denen sie übel behandelt würden. Da ihnen von dort Hilfe zugesagt wurde, erhoben sich die Bewohner im Markt Rappottenstein und auch alle anderen Untertanen des Achaz von Landau gegen ihren Herren, die Zehentholden des Pfarrers aber gegen diesen.
Als Sammelpunkt wählten die Bauern Grafenschlag. Hauptanführer waren Andrä Schremser aus Dobersberg und Martin Schmied aus Ritterkamp. Schmied und Schremser befahlen den 30.000 Bauern, sich außerhalb von Grafenschlag in einem Ring aufzustellen. Die Bauern waren von dem Rebell Auperger (einem aus Gschwendt stammenden Untertanen des Stiftes Zwettl) dazu gezwungen worden, nach Grafenschlag zu gehen. Bei Weigerung drohte man mit dem Kopfabschlagen. In den Beschwerdeschriften, welche die Bauern überreichten, heißt es u.a.: "Zum dritten wöllen wierr dy khirchen zu Behendorff alle Surtag und feirtag lesungen haben und alle alte gerechtigkhait und zehet witer darzue wie es von alten war". Ferner begehrten sie, "daß der Zehet und andere grünt and alte Zuegeherung wie es von altem heristkhume dar bey pleib".

Die Pehendorfer Bauern verlangen hier also, dass "Gründe, Zehent und Zugehörung" bei der Kapelle in Pehendorf, "wie es von altem war", bleiben sollten. Es gibt aber nirgends einen Beweis dafür, dass die Kapelle jemals mit Gründen usw. bestiftet war. Die vorgebrachten Beschwerden veranlassten Kaiser Rudolf II., Abt Ulrich von Zwettl und Achaz von Landau (!) mit einer Untersuchung der Angelegenheit zu betrauen. Dass gerade diese beiden Männer, gegen die sich ja die Beschwerden richteten, mit einer "Untersuchung" beauftragt wurden, wirft wohl ein bezeichnendes Licht darauf, was man damals unter "Recht" verstand. Es lässt sich nun auch leicht vorstellen, zu welchen Ergebnissen diese Untersuchung kam.
Die Bauern, mit der Art und Weise, wie man auf ihre Bitten reagierte, ganz und gar nicht einverstanden, zogen gegen Ottenschlag und eroberten 1597, ungefähr 5.000 Mann stark, den Ort. Martin Schmied, der Anführer des Kampfes gegen Rappottenstein, wurde, nachdem die Erhebung gescheitert war, zusammen mit Auperger, der die gegen das Stift Zwettl gerichteten Unternehmungen geleitet hatte, auf der "Jungfernwiese" bei Zwettl öffentlich hingerichtet. Die Aufregungen des Bauernaufstandes dürften Achaz von Landau dazu bewogen haben, sich noch 1598 nach Wien zurückzuziehen, nachdem er vorher seine Söhne Hartmann, Ehrenreich, Hanns, Christoph, Gottfried und Maximilian mit Rappottenstein belehnen ließ. Die Genannten teilten sich den Besitz der Herrschaft von 1598 bis 1608. Als Achaz 1602 in Wien starb, brachte man seinen Leichnam nach Rappottenstein und setzte ihn in der Familiengruft neben dem seines gefallenen Sohnes bei. Ab 1608 dürfte Ehrenreich von Landau, der 1622 starb, Rappottenstein alleine besessen haben. Er heiratete am 5.10.1608 Rosina Freiin von Aspan, deren Wappen 1650 in das Landau'sche aufgenommen wurde, und verbrachte den größten Teil seines Lebens auf der Burg Rappottenstein. Unter ihm wurde 1613 im Markt Rapottenstein ein Pranger aufgestellt, der noch heute den Marktplatz ziert.
Auch Ehrenreich war ein eifriger Protestant. 1619 erschienen, wie schon so oft, wieder einmal die Böhmen im Waldviertel. Auf der Burg befand sich gerade eine starke Besatzung der empörten oberösterreichischen Stände. Obwohl diese Truppen von den Ständen besoldet wurden, brachte ihre Anwesenheit dennoch großes Leid über Rappottenstein: Die belgischen Hilfstruppen nämlich, die zu Beginn des 30-jährigen Krieges von Erzherzog Albrecht, 1595 bis 1681 Generalstatthalter der Niederlande, nach Österreich entsandt wurden, hausten hier wie in Feindesland, als sie hörten, der Burgherr halte es mit den Empörern. Die Burg selber konnten sie jedoch nicht erobern. Weil sie die verlangte Brandschatzung von 3.000 fl. nicht bekamen, hielten sie sich an den Untertanen des Landauers schadlos und brannten die dem Landauer gehörigen Ortschaften Groß Gerungs und Langschlag nieder. 1624 belehnte Kaiser Ferdinand II. Georg Hanns, Heinrich, Johann Christoph und Maximilian Elisäus von Landau mit Schloss und Markt Rappottenstein, Traunstein, dem öden Burgstall Antschau und Zugehörung.

Da nach dem Restiutionsedikt von 1629 die protestantischen Prediger und Pfarrer entfernt werden mussten, sahen sich die nach wie vor lutherischen Landauer gezwungen, auch in Rappottenstein einen Wechsel in der Person des Pfarrers vorzunehmen. Hierher kam der noch immer sehr zweideutige Johann Ludwig Spreitzer, der sich vielfach verdächtig machte. Sehr eifrig betrieben aber die Landauer in ihrem Herrschaftsbereich die Gegenreformation nicht; denn die Reformations-Kommission, die damals die Pfarren visitierte, weiß zu berichten, dass der Pfarrer von Rappottenstein angab, dass "vor wenig Wochen ein Prädicant soll herumgezogen (sein) und in seiner Pfarr zu Schoffgergh (Schafberg) und Bernschlag heimlicher Weise etliche Pfarrkinder gespeiset habe". An die protestantische Zeit der Pfarrkirche in Rappottenstein erinnert noch heute ein großes Wandgemälde an der Stirnwand des Triumphbogens, das u.a. auch die Communio sub utraque specie darstellt.
Aus dem Jahre 1637 gibt es eine Originalurkunde mit drei anhängenden Siegeln, die bei der Gemeinde Rappottenstein aufbewahrt wird. Als Zeugen scheinen die letzten Landauer, also Georg Wilhelm, Hanns Dietrich und Heinrich Gundacker auf. (Die Übersetzung dieses Pergaments findet sich in der Rubrik SchulTasche "Urkunden"!) 1643 sagte Pfarrer Johann Pregelius von Gmünd im Visitationsbericht des Dekanates "vor dem Böhmerwalde", dass von den 700 Pfarrkindern Rappottensteins nur 30 katholisch seien, die anderen aber alle ketzerisch. Die 1645 als Verbündete der Protestanten in Österreich einrückenden Schweden belagerten auch die Burg Rappottenstein, in der eine kaiserliche Besatzung unter dem Freiherrn von Tobl und später unter Oberstleutnant Harrant sich mit großer Tapferkeit zur Wehr setzte. An diese schwere Zeit erinnern auch noch die im Süden der Burg deutlich erkennbaren Schanzgräben, die laut "Burgführer" von den Kaiserlichen, nach anderen Quellen aber von den Schweden aufgeworfen wurden. Ihr Hauptlager, so nimmt man an, hatten die Belagerer auf der Anhöhe am linken Kampufer errichtet. Sie vermochten zwar einen Teil des Schlossdaches in Brand zu setzen, die Eroberung der Burg gelang ihnen jedoch nicht.
Nach monatelanger vergeblicher Belagerung suchte daher im März 1645 der schwedische Distrikts-Kommandant Konrad von Mosberg, durch Drohungen zum Ziele zu gelangen. Sein Schreiben, die Besatzung möge sich durch eine Geldsumme von der Belagerung loskaufen, fand bei den in der sicheren Burg befindlichen Kaiserlichen jedoch nur taube Ohren. Trotzdem forderten diese kriegerischen Ereignisse ihre Opfer, zu denen auch einer der Burgherren gehörte: Am 11.4.1645 kam nämlich Heinrich Gundacker von Landau durch einen tragischen Unfall ums Leben. Er hantierte unvorsichtig mit seinem Gewehr, dabei verfing sich ein Band seines Kleides am Hahn, der sich lösende Schuss tötete den Landauer.
Da die Schweden nicht in der Lage waren, die Burg zu erobern, wurden - wieder einmal - der Markt und seine Umgebung geplündert. Dazu kam, dass die sehr zahlreiche Burgbesatzung bald unter großer Lebensmittelknappheit litt, weshalb auch die Kaiserlichen Beutezüge in die Umgebung unternahmen. Ihr Verhalten unterschied sich dabei in keiner Weise von dem der Schweden. Aus dieser schrecklichen Zeit wird u.a. berichtet, dass Bruno Steinhagen, ein Capitänleutnant der kaiserlichen Dragoner auf Rappottenstein, von der Herrschaft Ottenstein eine Rechtfertigung wegen der nicht gelieferten monatlichen Kontribution verlangte. Zugleich sandte er eine Abteilung seiner Soldaten mit dem Befehl aus, den Bauern der Herrschaft Ottenstein das Vieh wegzunehmen, bis die Kontribution bezahlt würde. Ferner ordnete er an, alle Ottensteiner als Rebellen zu behandeln, da sie wohl dem Feinde, nicht aber den Kaiserlichen gegenüber ihren Verpflichtungen nachgekommen seien. Der Kommandant von Ottenstein konnte aber einen Freibrief des Kaisers vorweisen, weshalb die Rappottensteiner wieder unverrichteter Dinge abziehen mussten. Weil der Heimweg nun schon einmal über Zwettl führte, nahmen sie den Bewohnern dieser Stadt Weizen, Korn und Wein mit Gewalt weg. Den Stiftskeller z.B. erleichterten sie gleich um 700 Eimer Wein.
Freiherr von Tobl suchte mit den Besatzungen von Weitra und Waidhofen an der Thaya in Verbindung zu treten, da diese beiden Orte, gleich Rappottenstein, den schwedischen Eindringlingen erfolgreichen Widerstand zu leisten vermochten. Er hielt diese Aufgabe für so wichtig, dass er keinen Kurier damit betrauen wollte, sondern selbst den gefahrvollen Weg antrat. Dabei fiel er aber in die Hand der Schweden. Da aber am 13.4.1645 an seine Stelle als Befehlshaber der Truppen in Rappottenstein der Oberstleutnant Christoph Wilhelm Harrant trat, ist anzunehmen, dass Tobl in Feindeshand fiel. Der neue Befehlshaber war ein rauher Mann, den der lange Krieg sichtlich schon verdorben hatte. Eine seiner ersten Taten war, dass er dem Stifte Zwettl nicht nur Lebensmittel, sondern auch den gesamten Inhalt der Rüstkammer raubte. Sämtliche Waffen wurden nach Rappottenstein entführt. Harrant ließ die Burgbefestigungen ausbessern bzw. erneuern und verwendete für diese Arbeiten nicht weniger als 6.000 (!!) Arbeiter.

In einer noch vorhandenen Urkunde heißt es: "Ich fand den Ort zwar übel verwahrt und accomadirt", ferner "eine höchst schädliche schanz über den schlos". Harrant ließ "selbige aber nit allein reformirn und abtragen, sondern auch außer schlos den Zwinger mit spanischen reuttern und schrankhen herum bevestigen, bey dem thor und stückhen, casten, pruckhen, dann reverendo 6 neue rosstal, zumalen gar keine vorhanden gewesen, machen und 6 alte, auch die ziechpruckhen ausbessern, etliches gemäuer mit grossen bäumen einfangen und erdreich anschütten, auch erhöhen, sowol neue wachtheusl zuerichten, item die Fenster vermachen und vil örter zur wohnung, dannbey den ziechpruckhen die fahlen, auch außerhalb schlos den zwinger ausmauern und raumen lassen, in summa an unterschiedlichen posten allerhand nothwendige gebeu fürgekehrt, darzu nach und nach auf die 6000 Arbeiter, jeden 2 Pfund und in die 24 wochen, acht zimmerleut und 2 monat ain ... halten, denen 6 Pfund brod, namentlich ... von dem Herren von Landau geben warden in Korn 10 Mut 28,5 metzen dazu Holzstämme 320, Zimmerleutlohn á 15 kr. täglich, 288 fl., Maurer 12 fl."
Die Befestigung bewährte sich noch in manchem Strauß mit den Schweden, doch herrschte auch innerhalb der Burgmauern keinesfalls Friede, da zwischen dem Befehlshaber Harrant und den Landauern kein gutes Einvernehmen bestand. Schließlich ersuchte Georg Wilhelm von Landau sogar den Kaiser, er möge Harrant und seine Soldaten aus dem Schloss nehmen. Der Kaiser schickte den Generalkommissarius Wenzel Freiherrn von Zaradeck, der den Abzug Harrants veranlassen und 18-20 Musketiere mit einem Offizier nach Rappottenstein verlegen sollte. Obwohl bereits im Juli 1646 Hauptmann Jakob Kevanach als Kommandant genannt wird, beklagt sich noch am 29.11.1646 Landau, dass er noch immer die Garnison habe. Harrant hatte sich also mit dem Abzug Zeit gelassen. Nicht durch unmittelbare Feindeinwirkung, wohl aber doch wegen der großen während der Belagerung ausgestandenen Strapazen, starb 1645 Hanns Dietrich von Landau, sodass ab 1646 der letzte der drei Brüder, Georg Wilhelm von Landau, Alleininhaber des Gutes war. Er beschreibt 1664 die Burg: "Erstlichen das Schloss, so auf einem harten felsen ligendt in khriegsgefahren vor einem anlauf wohl verwahrt, darinnen ein Capelln, ailff stuben, acht cammer und siben gewölber, auch gelegenheit, mehrers stuben und cämmer zuzurichten, fünf weinkheller, deren drei in felsen eingehauet, vier cisternen, stalung auf 50 ross, ein wol erbautes preuhauss, darunter ein schöner kheller, siben schöne und große traidcasten und noch viel mehrers gemäch, dann eine rüstcamer samt dem vorhandenen geschütz, mit 6 Thoren, auch drey aufziehpruckhen samt dem oeden purckchstall Antschaw, alles landesfürstliches Lehen." In dem hier geschilderten Zustand mag sich auch die Burg am Ende des 30-jährigen Krieges befunden haben.

Am 13. April 1645 scheint Christoph Wilhelm Harrant auf Balschütz und Westschütz, kk. Obristlieutenant, als Kommandant auf. Georg Wilhelm von Landau war, als er die Einquartierung erhielt, abwesend. Er wendete sich wegen der Ausschreitungen (der Besatzung) an den Generalissimus der Armee, Erzherzog Leopold Wilhelm, Harrant wegzunehmen, da die Umgebung so ruiniert sei, dass man den Leuten auch kein Vieh mehr wegnehmen könne. Harrant verlangte Futter für 100 Pferde und sagte selber, dass, wenn der Feind das Schloss ein paar Tage attackiere, Wassermangel eintreten werde und er die Pferde vor das Schloss jagen müsse. (Diese Schilderung ist sicher nicht ganz richtig; denn noch heute hält z.B. die in den Felsen gehauene 18 m tiefe Steinzisterne des vierten Hofes einen fast das ganze Jahr hindurch konstanten Wasserstand von 18 m. Ähnlich verhält es sich auch mit der Zisterne im dritten Hof. Da beide Zisternen jedoch nur das Regenwasser der großen Dachflächen sammeln, mag es in längeren Trockenperioden allerdings zu großem Wassermangel gekommen sein. Ferner dürfte sich das Wasser als Trinkwasser kaum geeignet haben.) Auch Hans Caspar von Lindeck, kaiserlicher Oberkommissär, berichtete an den Kaiser, dass die Garnison schon ein halbes Jahr in Rappottenstein liege und die Gegend erschöpft sei. Den Herrschaften sei schon die Hälfte der Untertanen davongegangen, Harrant "pariere" nicht. Eine so starke Garnison sei in dieser Gegend nicht länger zu halten.
Nun wandte sich Landau direkt an den Kaiser und klagte, dass der Kommandant sich allerlei "Insolvenzen" gegen ihn erlaube und ihn und die Seinen schon öfters bedroht habe. Ferner, so sagte Landau, werde er bald am Bettelstab sein. Er bat daher den Kaiser, dem Kommandanten aufzutragen, dass er sich beim Abzug jeder Gewalttat zu enthalten habe. Die Bitte blieb aber ohne Erfolg. Landau wandte sich nun neuerlich an Erzherzog Wilhelm und verpflichtete sich, die Burg selbst zu verteidigen, man möge ihm nur 15-20 Mann Musketiere geben.
Endlich, Ende Dezember 1645, zog Harrant ab. Landau befürchtete Ausschreitungen und entfernte sich schon vorher. Die "Gäste" legten Feuer an die Burg, das nur mit Mühe gelöscht werden konnte. Der entstandene Schaden belief sich auf 500 fr. Einen Maierhof und Wirtschaftsgebäude hatten sie "totaliter abgetragen und verwüstet". Für Harrants Soldaten wurden aufgewendet: 6 Muth Weizen, 166 Eimer Wein, 40 Zentner Fleisch etc.
Nach Harrants Abzug kamen 40 Soldaten auf die Burg; in die Orte Groß Gerungs und Traunstein kamen außerdem zwei Kompanien, deren Verpflegung große Kosten verursachte. Im Frühjahr 1646 zogen fortwährend Truppen durch Rappottenstein. Jeder siebte Mann wurde ausgehoben. Die Herrschaftsbesitzer waren verpflichtet, den Mann zu stellen. Landau klagte seinem Vetter, dem Generalfeldzeugmeister Hans Christoph von Puchaim, dass ihm, als er die Leute ausheben wollte, an 20 Häuser verödeten, da die Männer entwichen. Er fürchte, die Leute, die er gefesselt stellen wolle, werden wieder entlaufen. Trotz aller Klagen Landaus wurde die Besatzung aber noch vermehrt, sodass Landau erklärte, er könne nichts mehr bezahlen. Außerdem liege sein Schloss so abseits, dass die Anwesenheit einer ständigen Besatzung nicht gerechtfertigt sei. Endlich, Ende Dezember 1646, zog der Hauptmann Kevenach mit der Besatzung ab. Georg Wilhelm - ständig zwischen Protestantismus und Katholizismus schwankend - behielt den Besitz noch 18 Jahre. Schließlich verkaufte er ihn 1664 an den Reichsgrafen Ernst Abensperg und Traun, dessen Nachkommen ihn noch heute inne haben.


Die Grafen von Abensperg und Traun >top<

Die gesicherte Stammreihe des aus dem oberösterreichischen Traungau stammenden Geschlechts der späteren Grafen von Abensperg und Traun beginnt mit Bernhard von Traun (Pernhart de Trune), der 1114/20 erstmals urkundlich genannt wird und wie verschiedene andere bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts namentlich fassbare Angehörige der Familie wohl edelfreier Herkunft war. In der zweiten Jahrhunderthälfte traten die Herren von Traun in die Ministerialität (ritterliche Dienstmannschaft) der auch Traungauer Grafen genannten Otakare ein und wurden nach deren Aussterben 1192 in die Ministerialität der Babenberger übernommen. Nach dem Aussterben der Babenberger wechselten die Herren von Traun schließlich 1246 in die Dienstmannschaft der auch in Oberösterreich reich begüterten Bischöfe von Passau.
Die gehobene Position der Familie Traun manifestierte sich im späteren Mittelalter durch weitreichenden Grundbesitz, einer seit 1260 nachweisbaren ritterlichen Gefolgschaft, Vogteirechte über Güter der Klöster St. Florian und Göttweig sowie über die Ausübung verschiedener hoher landesfürstlicher Ämter, darunter das Amt des Landeshauptmanns ob der Enns (1362) und das Erbmarschallsamt von Salzburg (1436). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts teilte sich die dem oberösterreichischen Herrenstand angehörige Familie anlässlich einer Gütertrennung in zwei Hauptlinien. Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts erloschene Eschelberger Linie erhielt die von 1283 bis 1599 in Familienbesitz befindliche Burg Eschelberg bei St. Gotthard, während die namensgebende Stammburg Traun im Besitz der seit dem 16. Jahrhundert so genannten Maissauer Linie verblieb.
Nachdem Herrschaft und Schloss Maissau im Jahre 1537 erbweise an die Herren von Traun gelangt war, verlagerte sich das Interesse der Familie im Verlauf der frühen Neuzeit mehr und mehr nach Niederösterreich. Wie die meisten führenden Geschlechter der österreichischen Erblande konvertierten die Herren von Traun im konfessionellen Zeitalter zum Protestantismus und gehörten somit der ständischen Opposition gegen die habsburgischen Landesfürsten an. Nach der Rückkehr zum katholischen Glauben eröffnete sich auch für verschiedene Mitglieder der Familie Traun seit etwa 1620 die Möglichkeit, im Dienste der Habsburger hervorragende Hof- und Militärkarrieren einzuschlagen.

Im Jahre 1653 wurde die Familie von Kaiser Ferdinand III. unter dem Namen Abensperg und Traun in den Grafenstand erhoben. Beachtung verdient in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es sich bei dieser Standeserhöhung formal nicht um eine Erhebung, sondern um eine Wiedereinsetzung in den Grafenstand handelte. Grundlage für diese Wiedereinsetzung - für die keine Parallelbeispiele existieren - war eine von der kaiserlichen Kanzlei ausdrücklich bestätigte genealogische Anknüpfung an die um 1480 ausgestorbenen bayerischen Grafen von Abensperg. In der Folge erlangten die Grafen von Abensperg und Traun bereits 1656 als eine der wenigen erbländischen Familien Sitz und Stimme im schwäbischen Reichsgrafenkollegium und erwarben 1662 die zur Teilnahme am Reichstag berechtigende Reichsherrschaft Egloffs in Schwaben, die 1804 an die Fürsten zu Windisch-Graetz verkauft wurde.
In die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts fällt auch der Erwerb der großteils bis heute in Familienbesitz befindlichen Burgen und Schlösser Petronell (1656), Groß-Schweinbarth (1658), Rappottenstein (1664), Bockfließ und Bisamberg sowie der frühbarocke Ausbau (1660) des 1857 abgetragenen Palais Traun in der Wiener Herrengasse. Im Jahr 1668 stiftete Ernst Graf von Abensperg und Traun ein die Grafschaft Egloffs, die Herrschaft Traun und mehrere Häuser in Wien und Linz umfassendes Majorats-Fideikommiss und ein weiteres die Herrschaft Petronell betreffendes Primogenitur-Fideikommiss. 1705 erlangte die Familie in der Person Otto Ehrenreichs das Erblandpanier- und Fähnrichsamt der Erzherzogtümer unter und ob der Enns, weshalb das seit 1259 nachweisbare und bis dahin nie veränderte, von Silber und Schwarz gespaltene Stammwappen durch die hinter dem Schild gekreuzten Fahnen von Nieder- und Oberösterreich gebessert wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert bekleideten verschiedene Angehörige des in eine Maissauer und eine Petroneller Linie geteilten Geschlechts vielfältige Militär- und Hofämter, von denen besonders die Würden des Oberstjägermeisters, Oberzeremonienmeisters und Obersthofmeisters hervorzuheben sind.
Unter den bedeutendsten Vertretern der Familie ist zunächst der zwischen 1328 und 1378 urkundlich genannte Jans (Hans) von Traun zu erwähnen, dessen abenteuerliches Leben quellenmäßig außergewöhnlich gut dokumentiert ist. Jans von Traun, der unter anderem auch die Landeshauptmannschaft ob der Enns innehatte, kämpfte im Laufe seines Lebens in zahlreichen Schlachten in österreichischen und zeitweilig in englischen Kriegsdiensten, wo er während des hundertjährigen Krieges gegen Frankreich 1356 als englischer Kriegshauptmann und Bannerträger fungierte.

Neben Sigmund Adam von Traun (1573-1638), der als Protestant anfänglich im Gegensatz zu den Habsburgern stand, nach seiner Konversion aber zum niederösterreichischen Kammerpräsidenten und Landmarschall avancierte, muss vor allem dessen Sohnes Ernst Graf von Abensberg und Traun (1608-1668) gedacht werden. Dieser stellte als Mitglied des Hofkriegsrats, Generalkommissär für das militärische Verpflegungswesen, Landmarschall von Niederösterreich und Stadtkommandant von Wien eines der einflussreichsten Mitglieder des geheimen Rats Kaiser Ferdinands III. dar. Zu den profiliertesten Familienangehörigen zählt auch Otto Ehrenreich (1644-1715), der als niederösterreichischer General-Landobrist nicht zuletzt aufgrund hervorragender Militärverdienste in den Orden vom goldenen Vlies aufgenommen wurde und, wie erwähnt, das Oberst-Erbpanieramt von Österreich ob und unter der Enns erblich an die Familie Abensperg und Traun brachte.
Die bekannteste Persönlichkeit des Hauses ist wohl Feldmarschall Otto Ferdinand Graf von Abensperg und Traun (1677-1748), der 1696 in kaiserliche Kriegsdienste trat, 1712 ein eigenes Regiment erhielt, 1735 zum Feldzeugmeister und 1740 zum Feldmarschall befördert wurde. Im österreichischen Erbfolgekrieg siegte er 1743 am italienischen Kriegsschauplatz bei Camposanto am Panaro über die Spanier und manövrierte 1744 die preußischen Streitkräfte aus Böhmen, wofür er im gleichen Jahr mit dem Orden vom goldenen Vlies ausgezeichnet wurde. In die Militärgeschichte ist Otto Ferdinand Abensperg und Traun als einer der größten österreichischen Feldherren des 18. Jahrhunderts eingegangen. Auf dem 1888 feierlich enthüllten Denkmal der Kaiserin Maria Theresia in Wien ist der Feldmarschall als einer der vier "Paladine der Kaiserin" im Kreise der Generäle Daun, Loudon und Khevenhüller hoch zu Ross zu bewundern.

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