Die Burg Rappottenstein blickt auf 850 Jahre schicksalreiche Geschichte zurück. Allen Belagerern leistete sie erfolgreich Widerstand. Weder aufständische Bauern (1597) noch katholische Truppen (1619) und auch nicht die Schweden (1645) vermochten sie zu erobern. Von friedlichen Zeiten der Blüte und des Wohlstands, aber auch von harten Jahren der Not wissen ihre altersgrauen Mauern zu erzählen.

Aufständische Bauern

Zu Beginn des Jahres 1597 verbreitete sich das Gerücht, die kaiserlichen Reiter hätten die Bauern in Rappottenstein, Ottenschlag, Zwettl und Pöggstall fürchterlich misshandelt und vielen von ihnen die Finger und auch die Nase abgeschnitten. Als gar noch behauptet wurde, zu Ottenschlag hätten die Kaiserlichen schon einen Metzen Ohren und Nasen beisammen, gerieten die Bauern begreiflicherweise in ungeheure Aufregung. Schon am 25. und 26. März 1597 erschienen auch Bauern aus Rappottenstein auf der Versammlung der Aufständischen zu Münichreith am Ostrong und baten um Hilfe gegen die Reiter, von denen sie übel behandelt würden. Da ihnen von dort Hilfe zugesagt wurde, erhoben sich die Bewohner im Markt Rappottenstein und auch alle anderen Untertanen des Achaz von Landau gegen ihren Herren, die Zehentholden des Pfarrers aber gegen diesen.
Als Sammelpunkt wählten die Bauern Grafenschlag. Hauptanführer waren Andrä Schremser aus Dobersberg und Martin Schmied aus Ritterkamp. Schmied und Schremser befahlen den 30.000 Bauern, sich außerhalb von Grafenschlag in einem Ring aufzustellen. Die Bauern waren von dem Rebell Auperger (einem aus Gschwendt stammenden Untertanen des Stiftes Zwettl) dazu gezwungen worden, nach Grafenschlag zu gehen. Bei Weigerung drohte man mit dem Kopfabschlagen. In den Beschwerdeschriften, welche die Bauern überreichten, heißt es u.a.: „Zum dritten wöllen wierr dy khirchen zu Behendorff alle Surtag und feirtag lesungen haben und alle alte gerechtigkhait und zehet witer darzue wie es von alten war“. Ferner begehrten sie, „daß der Zehet und andere grünt and alte Zuegeherung wie es von altem heristkhume dar bey pleib“.

Die Pehendorfer Bauern verlangen hier also, dass „Gründe, Zehent und Zugehörung“ bei der Kapelle in Pehendorf, „wie es von altem war“, bleiben sollten. Es gibt aber nirgends einen Beweis dafür, dass die Kapelle jemals mit Gründen usw. bestiftet war. Die vorgebrachten Beschwerden veranlassten Kaiser Rudolf II., Abt Ulrich von Zwettl und Achaz von Landau (!) mit einer Untersuchung der Angelegenheit zu betrauen. Dass gerade diese beiden Männer, gegen die sich ja die Beschwerden richteten, mit einer „Untersuchung“ beauftragt wurden, wirft wohl ein bezeichnendes Licht darauf, was man damals unter „Recht“ verstand. Es lässt sich nun auch leicht vorstellen, zu welchen Ergebnissen diese Untersuchung kam!!
Die Bauern, mit der Art und Weise, wie man auf ihre Bitten reagierte, ganz und gar nicht einverstanden, zogen gegen Ottenschlag und eroberten 1597, ungefähr 5.000 Mann stark, den Ort. Martin Schmied, der Anführer des Kampfes gegen Rappottenstein, wurde nachdem die Erhebung gescheitert war, zusammen mit Auperger, der die gegen das Stift Zwettl gerichteten Unternehmungen geleitet hatte, auf der „Jungfernwiese“ bei Zwettl öffentlich hingerichtet. Die Aufregungen des Bauernaufstandes dürften Achaz von Landau dazu bewogen haben, sich noch 1598 nach Wien zurückzuziehen, nachdem er vorher seine Söhne Hartmann, Ehrenreich, Hanns, Christoph, Gottfried und Maximilian mit Rappottenstein belehnen ließ. Die Genannten teilten sich den Besitz der Herrschaft von 1598 bis 1608. Als Achaz 1602 in Wien starb, brachte man seinen Leichnam nach Rappottenstein und setzte ihn in der Familiengruft neben dem seines gefallenen Sohnes bei.

Die Schweden (1645)

Die 1645 als Verbündete der Protestanten in Österreich einrückenden Schweden belagerten auch die Burg Rappottenstein, in der eine kaiserliche Besatzung unter dem Freiherrn von Tobl und später unter Oberstleutnant Harrant sich mit großer Tapferkeit zur Wehr setzte. An diese schwere Zeit erinnern auch noch die im Süden der Burg deutlich erkennbaren Schanzgräben. Es ist nicht geklärt, ob sie von den Kaiserlichen, oder von den Schweden aufgeworfen wurden. Ihr Hauptlager, so nimmt man an, hatten die Belagerer auf der Anhöhe am linken Kampufer errichtet. Sie vermochten zwar einen Teil des Burgdachs in Brand zu setzen, die Eroberung der Burg gelang ihnen jedoch nicht.
Nach monatelanger vergeblicher Belagerung suchte daher im März 1645 der schwedische Distrikts-Kommandant Konrad von Mosberg, durch Drohungen zum Ziel zu gelangen. Sein Schreiben, die Besatzung möge sich durch eine Geldsumme von der Belagerung loskaufen, fand bei den in der sicheren Burg befindlichen Kaiserlichen jedoch nur taube Ohren. Trotzdem forderten diese kriegerischen Ereignisse ihre Opfer, zu denen auch einer der Burgherren gehörte: Am 11.4.1645 kam nämlich Heinrich Gundacker von Landau durch einen tragischen Unfall ums Leben. Er hantierte unvorsichtig mit seinem Gewehr, dabei verfing sich ein Band seines Kleides am Hahn, und der sich lösende Schuss tötete den Landauer.
Da die Schweden nicht in der Lage waren, die Burg zu erobern, wurden der Markt und seine Umgebung geplündert. Dazu kam noch, dass die sehr zahlreiche Burgbesatzung bald unter großer Lebensmittelknappheit litt, weshalb auch die Kaiserlichen Beutezüge in die Umgebung unternahmen. Ihr Verhalten unterschied sich dabei in keiner Weise von dem der Schweden. Aus dieser schrecklichen Zeit wird u.a. berichtet, dass Bruno Steinhagen, ein Capitänleutnant der kaiserlichen Dragoner auf Rappottenstein, von der Herrschaft Ottenstein eine Rechtfertigung wegen der nicht gelieferten monatlichen Kontribution verlangte. Zugleich sandte er eine Abteilung seiner Soldaten mit dem Befehl aus, den Bauern der Herrschaft Ottenstein das Vieh wegzunehmen, bis die Kontribution bezahlt würde. Ferner ordnete er an, alle Ottensteiner als Rebellen zu behandeln, da sie wohl dem Feinde, nicht aber den Kaiserlichen gegenüber ihren Verpflichtungen nachgekommen seien. Der Kommandant von Ottenstein konnte aber einen Freibrief des Kaisers vorweisen, weshalb die Rappottensteiner wieder unverrichteter Dinge abziehen mussten. Weil der Heimweg nun schon einmal über Zwettl führte, nahmen sie den Bewohnern dieser Stadt Weizen, Korn und Wein mit Gewalt weg. Den Stiftskeller z.B. erleichterten sie gleich um 700 Eimer Wein.
Freiherr von Tobl suchte mit den Besatzungen von Weitra und Waidhofen an der Thaya in Verbindung zu treten, da diese beiden Orte, gleich Rappottenstein, den schwedischen Eindringlingen erfolgreichen Widerstand zu leisten vermochten. Er hielt diese Aufgabe für so wichtig, dass er keinen Kurier damit betrauen wollte, sondern selbst den gefahrvollen Weg antrat.
Da am 13.4.1645 an seine Stelle als Befehlshaber der Truppen in Rappottenstein der Oberstleutnant Christoph Wilhelm Harrant trat, ist anzunehmen, dass Tobl in Feindeshand fiel.